Ihr Ratgeber für Sichtschutz im Garten

Ginkgo: robuster Stadtbaum, kein Gartensichtschutz

Der Ginkgo ist ein bemerkenswerter Baum und ein schlechter Sichtschutz. Die GALK-Straßenbaumliste führt ihn mit 15 bis 30, maximal 35 Metern Höhe[2] — das ist Parkformat, kein Gartenformat. Wer ihn wegen der auffälligen Blattform pflanzt, sollte das wissen und nicht mit dem Blickschutz begründen.

Zwei Dinge stehen belegt gegen ihn, ein drittes für ihn. Gegen ihn: Er ist laubabwerfend und in Deutschland nur als „unbeständiges (neophytisches) Vorkommen“ erfasst[1]. Für ihn: Als Stadtbaum ist er kaum zu erschüttern.

Reihe junger Ginkgobäume mit hellgrünen Fächerblättern, dicht an dicht als Sichtschutz gepflanzt

Ginkgo im Steckbrief

Die wichtigsten Kennwerte auf einen Blick:

Botanischer NameGinkgo biloba (Fächerblattbaum)
Endhöhe15–30, maximal 35 m; Breite 10–15, maximal 20 m[2] — Parkformat
Blickdichtegering — lockere Krone, hoch angesetzt; im Winter keine (laubabwerfend)
Herkunftnicht heimisch — floristischer Status „unbeständige (neophytische) Vorkommen“[1]
Ökologiekeine Einträge in der Lepidat-Datenbank[3] — zum Vergleich: Sal-Weide 103 Arten[4]
Stadtklimalaut GALK „anspruchslos, stadtklimafest, frei von Schädlingen“[2] — als Straßenbaum „geeignet mit E.“[2]
Zu beachtenältere weibliche Exemplare fruchten stark; die reifen Früchte riechen unangenehm[2] — im Handel deshalb männliche Sorten
Grenzabstandhöchste Abstandsklasse der Landesgesetze — siehe unten

Mit Ziffern markierte Werte sind quellenbelegt (siehe Einzelnachweise); übrige Angaben sind redaktionelle Einschätzungen nach gängiger Gartenbau-Praxis. Stand: 08/2026.

Warum „frei von Schädlingen“ zwei Seiten hat

Die GALK beschreibt den Ginkgo als „anspruchslos, stadtklimafest, frei von Schädlingen“[2]. Für eine Kommune, die einen Baum an eine Hauptverkehrsstraße setzt, ist das die beste denkbare Eigenschaft. Im Garten liest sich derselbe Satz anders: Ein Baum, an dem keine Insekten fressen, ernährt auch keine.

Die Lepidat-Datenbank des Bundesamts für Naturschutz bestätigt das mit einer klaren Null — für Ginkgo biloba ist kein einziger Falter verzeichnet[3]. Das ist keine Datenlücke wie bei manchen anderen Arten, sondern der erwartbare Befund für einen Baum, dessen Verwandtschaftsgruppe seit rund 200 Millionen Jahren keine Beziehung zu unserer Insektenfauna aufbauen konnte. Zum Vergleich: An der heimischen Sal-Weide leben 103 Arten[4].

Wofür er dennoch taugt

Der Ginkgo ist der widerstandsfähigste Baum in diesem Vergleich. Hitze, verdichteter Boden, Streusalz, Abgase — er hält Bedingungen aus, an denen heimische Arten scheitern. Wer einen Hinterhof oder einen sehr exponierten Standort bepflanzen will und dort ohnehin kein reiches Bodenleben erwarten kann, trifft mit ihm keine schlechte Wahl.

Als Solitär vor einer Hauswand oder als Schattenspender über einer Terrasse funktioniert er. Nur eben nicht als Sichtschutz — dafür ist die Krone zu hoch angesetzt und im Winterhalbjahr ohnehin kahl.

Junger Ginkgo mit fächerförmigen Blättern hinter einer geschnittenen Hecke, die den Sichtschutz übernimmt

Die Frage, die man vor dem Kauf klären muss

Ginkgos sind zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Bäume. Die GALK weist ausdrücklich darauf hin, dass „weibliche ältere Exemplare stark fruchtend“ sind und die „reife Früchte mit starkem Buttersäuregeruch“ tragen, bei „starkem Fruchtfall“[2]. Der Geruch ist kein Detail — er erinnert an ranzige Butter und hält sich wochenlang.

Im Handel werden fast nur veredelte männliche Sorten angeboten, weil genau dieses Problem bekannt ist. Bei einem Sämling weiß man es dagegen zwanzig Jahre lang nicht — so lange dauert es, bis ein Ginkgo das erste Mal fruchtet. Wer nicht sicher ist, was er kauft, hat eine sehr lange Wartezeit auf eine unangenehme Überraschung.

Abstand: bei diesem Baum großzügig rechnen

Bei einem Baum, der 30 Meter hoch und bis 20 Meter breit werden kann[2], ist der gesetzliche Mindestabstand zur Grundstücksgrenze die absolute Untergrenze. Was die Nachbarrechtsgesetze der Bundesländer jeweils vorschreiben, steht in unserer Rechts­übersicht.

Praktisch heißt das: Auf einem Grundstück unter tausend Quadratmetern ist ein Ginkgo eine Entscheidung, die alles andere mitbestimmt. Wer den Platz nicht hat, ist mit einem kleineren Baum besser bedient — und wenn es um Sichtschutz geht, ohnehin mit einer Hecke.

Einzelnachweise

Der floristische Status stammt aus dem FloraWeb-Artenprofil des Bundesamts für Naturschutz, die Maß- und Standortangaben sowie die wörtlichen Zitate zu Schädlingsfreiheit und Fruchtgeruch aus der Straßenbaumliste der Gartenamtsleiterkonferenz. Diese ist ein Fachverband, keine Behörde — ihre Bewertungen beruhen auf Praxiserfahrungen der kommunalen Grünflächenämter. Dass für Ginkgo keine Schmetterlingsart verzeichnet ist, haben wir in der Lepidat-Datenbank direkt geprüft.

  1. FloraWeb — Ginkgo biloba: floristischer Status „U — unbeständige (neophytische) Vorkommen“, BNatSchG nicht besonders geschützt — Bundesamt für Naturschutz (BfN). Quelle (abgerufen 2026-08-16)
  2. GALK-Straßenbaumliste: Ginkgo biloba — „geeignet mit E.“; 15 bis 30 (maximal 35) m hoch, 10 bis 15 (maximal 20) m breit; „anspruchslos, stadtklimafest, frei von Schädlingen“; „weibliche ältere Exemplare stark fruchtend, reife Früchte mit starkem Buttersäuregeruch, starker Fruchtfall“ — Gartenamtsleiterkonferenz (GALK), Arbeitskreis Stadtbäume. Quelle (abgerufen 2026-08-16)
  3. FloraWeb/Lepidat — Abfrage Ginkgo biloba: keine Art als Futterpflanze verzeichnet (die Datenbank meldet „Keine Informationen“) — Bundesamt für Naturschutz (BfN). Quelle (abgerufen 2026-08-16)
  4. FloraWeb/Lepidat — Schmetterlingsfutterpflanze Sal-Weide: 103 Arten als Raupenfutter, zusätzlich 19 als Nektarpflanze — der höchste belegte Wert auf dieser Website — Bundesamt für Naturschutz (BfN). Quelle (abgerufen 2026-08-16)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie groß wird ein Ginkgo im Garten?

Die GALK-Straßenbaumliste nennt 15 bis 30 Meter, maximal 35, bei 10 bis 15 Metern Breite. Das ist für die meisten Hausgärten zu viel.

Ist der Ginkgo gut für Insekten?

Nein. Die Lepidat-Datenbank des Bundesamts für Naturschutz verzeichnet für ihn keine einzige Schmetterlingsart. Die GALK beschreibt ihn als „frei von Schädlingen“ — was für einen Straßenbaum ein Vorteil ist, bedeutet im Garten schlicht, dass nichts von ihm lebt.

Warum stinken manche Ginkgos?

Nur weibliche Bäume fruchten, und die reifen Früchte riechen laut GALK stark nach Buttersäure. Im Handel werden deshalb überwiegend veredelte männliche Sorten angeboten.

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